Boulders Habitat - Warum eigentlich?

Geboren wurde das Boulders Habitat schon im Jahr 2012 Jahren, als Christoph Klein, damals noch fleißiger K11-Besucher, und Sascha Podeiko, Besitzer eben dieser Boulderanlage in der Kölner Südstadt, den Entschluss fassten, ein nicht unehrgeiziges Projekt in die Tat umzusetzen: die erste richtige Kletter-/Boulderhalle in Bonn.

Die Objektsuche gestaltete sich - wie für viele, die zuvor schon versucht hatten, Bonn mit einer Halle auszustatten - nicht ganz einfach. Doch nach einiger Suche fanden die beiden endlich die passenden Räumlichkeiten nahe der alten Biskuithalle. Die Entscheidung fiel  schnell, und so wurde aus vielen einzelnen Büroräumen eine Halle mit 1200qm Grundfläche. Nach der Entkernung kam der Wand- und Innenausbau - alles in Eigenregie. T-Wall lieferte den Bausatz und unzählige Helferhände und Handgriffe später entstand das Boulders Habitat.

Seit 2014 ist die Halle nun geöffnet und bietet jeder Altersgruppe vielseitige Boulderprojekte in allen Schwierigkeitsstufen, einen einzigartigen Kinderbereich, tolle Atmosphäre und leckeren Kaffee.

Aber warum klettern wir? Weil es Spaß macht! Es macht mir Spaß, mich in der Vertikalen zu bewegen, die Schwerkraft zu spüren, mich dabei selber zu spüren, zu erleben, was ich kann - oder auch, was ich (noch) nicht schaffe. Durch das erstmalige Scheitern an einer Route oder einem Problem muss ich - und jeder der klettert - über mich hinaus wachsen, sonst klappt es mit der Lösung nicht. Und gerade das ist unsere Philosophie.

Im Boulders Habitat soll nach Möglichkeit "jeder gefordert und gefördert werden" und dieses "Über-sich-hinaus-wachsen" erleben können, sagt Geschäftsführer Christoph Klein.

Das Bouldern erfreut sich in Deutschland und auch international großer Beliebtheit, die sich mit der des Indoorkletterns vor 10-15 Jahren vergleichen lässt. Der Unterschied ist nur, dass sich das Indoorklettern/-bouldern auf einem technisch viel anspruchsvolleren Niveau befindet als damals, wo 6+ UIAA noch das Ende der Fahnenstange im alpinen Klettern bedeutete und das Indoorklettern in Babysöckchen steckte. Heutzutage sind wir bei dem doppelten Schwierigkeitsgrad angekommen und es stellt sich die Frage: Was ist noch menschenmöglich? Den Kopf von Ängsten freimachen, sich selber und seinem Können vertrauen - das ist Klettern.

Auch das Publikum ist anspruchsvoller geworden. Es reicht nicht mehr, einfach gerade Wände hinzusetzen, irgendwie ein paar Plastikgriffe festzuschrauben und zu behaupten, es sei eine tolle Kletterwand. Klar ist es eine Kletterwand, aber der Boulderer von heute möchte Probleme lösen. Am liebsten an verschachtelten Wänden mit Volumes, ausgefeilten Griffformen und möglichst wohlüberlegter und technisch anspruchsvoller Kletterei.

Bouldern macht Klettern noch viel erfahrbarer, weil alles ganz nah passiert. Außerdem ist der Mensch ein Problemlösungstier. Ein Boulder erscheint auf den ersten Blick oft als unlösbar, doch je mehr ich mich damit beschäftige, umso machbarer erscheint er mir ? bis es nach dem 2. bis 20. Versuch dann endlich klappt. "Warum hab ich das nicht gleich so gemacht?", frage ich mich dann. Tja, weil ich erst mal drauf kommen muss, den Fuß dahin zu stellen, das anderen Bein als Schwungbein einzusetzen und mit einer gut koordinierten und gezielt initiierten Zugbewegung an den eigentlich viel zu weit entfernten Griff zu springen.

Beim Bouldern kann ich einzelne Schlüsselzüge vielfach wiederholen, einen Zug beliebig oft probieren, bevor ich alle Bewegungen zu einem Boulder zusammensetze - und das alles aus dem Stand heraus.

Anders beim Seilklettern: da kommt man mit dicken Unterarmen nach zehn Klettermetern zu einer Schlüsselstelle und kann diese dann eventuell ein- bis zweimal klettern, sollte es nicht gleich im ersten Anlauf klappen. Wenn nichts klappt, muss ich vor dem nächsten Versuch wieder bis zu der Stelle klettern, an der ich scheiterte. Dann brauche ich noch einen Seilpartner, dem ich vertrauen kann, und sollte auch noch weitgehend von Höhenangst befreit sein. Der Kopf spielt hier häufig eine viel größere Rolle, als reine Kraft, Ausdauer oder das technische Können. Desweiteren braucht man mindestens Gurt, Seil und Sicherungsgerät. Beim Indoorbouldern ist es toll, dass Kletterschuhe und Chalk ausreichendes Equipment sind. Ich kann sofort starten ? einfach auf die Wand zugehen, Griffe anfassen und los! Ich kann zugucken, wie andere an dem gleichen Problem scheitern oder auch eine viel bessere Lösung für den Boulder haben, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Das Lerntempo ist gerade anfangs rasend schnell. Der soziale Faktor, wenn meine Leute mir beim Klettern zugucken, mich anfeuern und mir gratulieren, wenn ich endlich meinen Körper bis zum Top-Griff gequält habe, ist umwerfend. Das alles und noch viel, viel mehr vermittelt Bouldern.

Boulderassistent